
Das Eisenholz der Handwerkskunst


Erzeugung
Wahlverwandtschaften
Schon im tropischen Braunkohlen-Zeitalter vor rund 10 Millionen Jahren lässt sich die Hain-Buche in Mitteleuropa nachweisen. Dabei ist sie nicht, wie die meisten vermuten, mit unserer Rot-Buche verwandt. Am nächsten stehen noch Birkengewächse und die Gemeine Hasel. Den heute gebräuchlichen Namen hat sie von ihrer früheren Funktion als schnittverträglicher Heckenbaum zwecks „Ein-Hagen“ (Einfriedung/Abgrenzung) von Feldern oder Wiesen.
Im schlagweisen, auf Pflanzbestände, Monokulturen und reinen Holzertrag ausgerichteten Hochwald verliert die typische Mischbaumart ab 1850 schnell an Bedeutung. Heutzutage ist sie wieder gefragt, als klimatolerante Alternative auf besseren Böden und gerne in Kombination mit Eiche oder Esche. Im Waldgefüge bleiben Hain-Buchen mit ihrer maximalen Wuchshöhe von nur 25 Metern zumeist unterständig. Sie übernehmen dann „dienende“ Funktionen, wie die Boden- und Schaftpflege.

Eigenschaften
Nachgefragtes Spezialholz
In ihren Holzeigenschaften übertrifft die Hain-Buche alle gebietsheimischen Bäume. Sie liefert das schwerste Holz (Rohdichte 0,54-0,86 g/cm3, im Mittel 83 N/mm2) und ist sehr hart (Härte Brinell/längs ca. 71 N/mm2), druckfest (60-99 N/mm2), kompakt und feinporig zugleich.
Hervorzuheben sind die Belastungseigenschaften: Hain-Buchenholz ist nur schwer spaltbar und sehr zäh, bei einer Zugfestigkeit von rund 135 N/mm2. Daraus resultiert eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Stoß, Schlag und Reibung.
Hain-Buchen-Holz ist homogen und trotz der seiner Härte leicht zu bearbeiten. Dementsprechend sind die Verwendungsmöglichkeiten breit gefächert. Bau- und Konstruktionsholz fällt jedoch weg, vor allem, weil waldfrisches Holz bei der Trocknung stark schwindet.
Ein Wermutstropfen: Anders als das Kernholz der Robinie oder Trauben-/Stiel-Eiche ist die Hain-Buche nicht witterungsbeständig, im Gegenteil sehr vergänglich (Klasse 5, nicht dauerhaft).
Anwendung
Manche nennen die Hain-Buche auch „Eisenholz:“ Bis in das 20. Jahrhundert wird sie als Ersatzwerkstoff genutzt, vor allem für stark durch Reibung beanspruchte Wagen- und Maschinenteile (Zahnräder, Naben, Achsen, Speichen, Kufen).
Bis heute geblieben ist die traditionelle Verarbeitung für Küchenausstattung (Hackklötze), hochwertige Schreinerwerkzeuge oder in der Schuhindustrie und Textilindustrie (Wickelhülsen, Webschiffchen). Und: 95 % der Klaviermechanik besteht aus Hain-Buche! Spannende Anwendungsfelder kommen hinzu, wie: Modell- bzw. technischer Formenbau, Bodenbeläge und Sportgeräte.
Daneben liefert die Hain-Buche ein besonders heizkräftiges Brennholz. Für die Holzwerkstoffindustrie sind die geringen Mengen aber uninteressant, so dass hier eine besondere Aushaltung bzw. Sortierung nicht lohnt.
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