Gewolltes Gemüse – Schafwolle als regionaler Dünger für gesunde Böden

„Gewolltes Gemüse“ entwickelt eine ressourceneffiziente Wertschöpfungskette für regionale Schafwolle und nutzt sie als Dünger im ökologischen Gemüsebau. Unter Koordination der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) arbeiten Wissenschafts- und Praxispartner daran, einen bislang wenig wirtschaftlich verwerteten Rohstoff in einen regionalen Stoffkreislauf zu überführen.

Herkömmliche Schafwollpellets setzen ihren Stickstoff vergleichsweise langsam frei. „Gewolltes Gemüse“ entwickelt deshalb einen praxistauglichen Dünger mit gezielter und zeitlich steuerbarer Nährstofffreisetzung. Dafür wird die Wolle mechanisch zerkleinert, hygienisch behandelt und mit keratinabbauenden Mikroorganismen funktionalisiert. In Labor- und Feldversuchen werden Düngewirkung, Umweltverträglichkeit, Nährstofffreisetzung und Auswirkungen auf die Bodenbiologie untersucht. Praxisbetriebe sind von Beginn an eingebunden, damit ein unter realen Bedingungen einsetzbares Produkt entsteht.

Schäfereien benötigen neue Perspektiven für die bislang oft kaum wirtschaftlich verwertbare Rohwolle, während der ökologische Gemüsebau nach regionalen Alternativen zu konventionellen Düngemitteln sucht. Aus einem Reststoff soll ein Wertstoff werden – und aus einem linearen Stoffstrom ein regionaler Kreislauf.

Die thematische Nähe zur bodenkundlichen Baubegleitung liegt im gemeinsamen Blick auf die Ressource Boden. Während die bodenkundliche Baubegleitung Böden bei Bauvorhaben vor vermeidbaren Beeinträchtigungen schützt und ihre natürlichen Funktionen erhält, setzt „Gewolltes Gemüse“ bei der landwirtschaftlichen Nutzung und Förderung von Bodenfunktionen an. Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit gehören damit zusammen. Böden sollen geschützt und langfristig als Produktionsgrundlage erhalten werden.

Auch die Arbeitsweise verbindet beide Ansätze. Fachwissen wird frühzeitig eingebracht und praxisnah angewendet. „Gewolltes Gemüse“ verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Erprobung und betrachtet den Weg von der Rohstoffgewinnung bis zur Anwendung. In beiden Fällen wird Boden als komplexe und schützenswerte Ressource verstanden.

Hier liegt die Verbindung zum Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe Brandenburg (neuwerg). Das Netzwerk bringt Akteure zusammen, fördert Wissenstransfer und macht biobasierte Wertschöpfung sichtbar. „Gewolltes Gemüse“ steht exemplarisch für diesen Ansatz. Ein regional verfügbarer, nachwachsender Rohstoff wird durch Forschung, technische Entwicklung und Praxiswissen für eine neue Anwendung erschlossen. Die Schafwolle wird Teil einer regionalen Wertschöpfungskette – mit Nutzen für Schäfereien, Gemüsebaubetriebe und die nachhaltige Bewirtschaftung brandenburgischer Böden.

So wird aus einem wenig genutzten Rohstoff eine neue Perspektive für regionale Landwirtschaft und Bodennutzung. Gefördert wird das Vorhaben vom Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) des Landes Brandenburg mit Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri) und kofinanziert durch die Europäische Union.

Format
Projekt
Laufzeit
01.04.2026 - 31.12.2028
Partner
Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V., IFN Schönow e.V., Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte (IASP), Bioland Landesverband Ost e.V., Kleine Schäferei Biesenbrow, Flämingschäferei Körner, Bio-Gärtnerei Watzkendorf GmbH, Good Food Syndicate Lena und Philipp Adler GbR, Bio-Alpakaland GbR, Jonas Scholz Landwirtschaftliche Lohndienstleistungen, Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg e.V., floraPell GmbH
Förderer
Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV), Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)
Projektbearbeiter
Rohstoff

Anbieter

Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.
Marienstraße 19/20
10117 Berlin
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