Praxisworkshop Hanfkalk in der Sanierung

05.06.2026

Rückblick auf unseren Praxisworkshop „Hanfkalk in der Sanierung – Innendämmung und Vorsatzschalen“

Wie lassen sich Bestandsgebäude nachhaltig, diffusionsoffen und bauphysikalisch sinnvoll sanieren? Dieser Frage widmete sich der zweitägige neuwerg-Praxisworkshop „Hanfkalk in der Sanierung – Innendämmung & Vorsatzschalen“ am 05. und 06. Juni 2026 in Oberbarnim-Klosterdorf. Angeleitet von Dr. Norbert Hoepfer wurde am konkreten Bauobjekt gearbeitet, dem unsanierten Feldsteinhaus von Cindy und Anas Guist, das künftig zu einem enkeltauglichen Mehrgenerationenhaus saniert werden soll.

Unter den Teilnehmenden waren Lehmbauer, Zimmerer, Architekten, Stuckateure, Ingenieurbüros sowie Privatpersonen mit konkretem Interesse an nachhaltiger Sanierung im Bestand. Entsprechend lebendig war der Austausch. Beide Tage waren geprägt von handwerklicher Praxis, Wissenstransfer und Erfahrungsweitergabe zwischen unterschiedlichen Gewerken und Perspektiven.

Am ersten Workshoptag standen Grundlagen und Materialverständnis im Mittelpunkt. Neben den Einsatzgebieten von Hanfkalk wurden Kalkarten, Mischungen, Handmuster, Sicherheitsaspekte und zentrale Parameter der Bausanierung behandelt. Der praktische Teil begann mit der Vorbereitung des Feldsteinmauerwerks. Alte Farbe wurde entfernt, der Untergrund vorbereitet und Lehmputz aufgetragen. Anschließend setzten die Teilnehmenden eine Innendämmung mit Hanfkalk um. In Verbindung mit einer Vorsatzschale wurden rund 15 cm Hanfkalk lagenweise eingebracht und gestampft. Dabei konnten Material- und Werkzeugkunde, Arbeitssicherheit – insbesondere beim Umgang mit Kalk – sowie Mischungsverhältnisse, Wasserzugabe und Konsistenz direkt erprobt werden.

Am zweiten Tag wurden die praktischen Arbeiten weitergeführt und vertieft. Im Fokus standen Lehm- und Kalkputze, Richtrezepturen, Schichtaufbauten mit Spritzbewurf sowie Hanfkalkputze und Hanfkalkestriche. Auch Detailausbildungen, Reparaturen und Oberflächenfinish wurden praktisch behandelt.

Besonders wertvoll war das experimentelle Arbeiten der Teilnehmenden. Eigene Rezepturen und Mischungen wurden ausprobiert, diskutiert und auf konkrete Bauvorhaben übertragen. Auch alternative Biomassen wie Miscanthus- oder Paludimaterial wurden thematisiert und demonstriert. Damit bot der Workshop nicht nur Einblicke in ein einzelnes Sanierungsprojekt, sondern auch Anregungen für neue Anwendungen nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen.

Der Workshop hat gezeigt: Hanfkalk kann insbesondere dort interessant sein, wo energetische Sanierung, Feuchteregulierung, natürliche Materialien und handwerkliche Umsetzbarkeit zusammen gedacht werden müssen.

Für neuwerg war der Workshop ein gelungenes Beispiel dafür, wie Wissenstransfer, praktische Anwendung und regionale Akteursvernetzung auf einer realen Baustelle zusammengeführt werden können.

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