Luzerne-Praktikeraustausch:
Praxis, Wissenschaft und Innovation im Dialog
Wie kann Luzerne künftig noch stärker zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und regionalen Wertschöpfung beitragen? Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich die Teilnehmenden des Luzerne-Praktikeraustauschs. Landwirtinnen und Landwirte, Wissenschaft, Unternehmen und Behörden nutzten die Gelegenheit, aktuelle Herausforderungen im Luzerneanbau zu diskutieren, erste Forschungsergebnisse kennenzulernen und neue Ideen gemeinsam weiterzudenken.
Den fachlichen Auftakt gestaltete Christine Tümmler (LELF) mit einem Einblick in die aktuellen Herausforderungen bei der Regulierung von Kreuzkräutern im Luzerneanbau. Da derzeit keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen, gewinnen alternative Verfahren zunehmend an Bedeutung. Vorgestellt wurden unter anderem Ansätze wie die Kreuzsaat zur Förderung einer gleichmäßigen Bestandsentwicklung und zur Verringerung von Kahlstellen. Darüber hinaus wurden erste Überlegungen zu Versuchen mit unterschiedlichen Schnittterminen zur Regulierung von Kreuzkräutern präsentiert.











Anschließend erläuterte Dr. Klaus Gutser (ZALF) die vielfältigen Potenziale der Luzerne für nachhaltige Fruchtfolgen. Als tiefwurzelnde, mehrjährige Kultur zeichnet sie sich durch eine hohe Trockenheitstoleranz aus und leistet einen wichtigen Beitrag zum Humusaufbau. Gleichzeitig ist Luzerne als hochwertiger Proteinlieferant ein bedeutender Bestandteil der Milchviehfütterung. Durch ihren hohen Rohfaseranteil kann Luzernesilage beziehungsweise Luzerneheu zudem einen Teil des Strohs in der Futterration ersetzen.
Diese veränderte Nutzung eröffnet neue Perspektiven für Getreidestroh. Hermann Dauser (Fibers365) stellte innovative Verfahren zur Cellulosegewinnung aus Stroh vor und zeigte auf, welche Möglichkeiten sich daraus für die Papier- und Zellstoffindustrie ergeben. Großtechnische Anlagen sind bereits realisiert oder befinden sich derzeit in Planung und Bau.
Die Beiträge verdeutlichten eindrucksvoll, dass Luzerne weit mehr ist als eine klassische Futterpflanze. Sie kann einen wichtigen Beitrag zu klimaresilienten Fruchtfolgen, einer nachhaltigen Tierhaltung und neuen regionalen Wertschöpfungsketten leisten. Besonders im Zusammenspiel von Luzerneanbau, Milchviehhaltung, Biogaserzeugung und der stofflichen Nutzung von Getreidestroh ergeben sich spannende Zukunftsperspektiven, die von den Teilnehmenden engagiert diskutiert wurden.
Neben den Fachvorträgen bot die Besichtigung der Versuchsflächen zahlreiche Möglichkeiten für den persönlichen Austausch. Die offene Diskussionsrunde, die hohe Beteiligung und die kollegiale Atmosphäre machten deutlich, wie wertvoll der Dialog zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft, Unternehmen und Behörden für die Weiterentwicklung innovativer und nachhaltiger Anbausysteme ist.
Wir bedanken uns bei allen Referierenden und Teilnehmenden für den gelungenen Austausch und freuen uns darauf, die gemeinsam angestoßenen Ideen in den kommenden Projektschritten weiterzuverfolgen.
